Im Mai 2026 öffnet Philine Rinnert in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Naturwissen eine temporäre Grabungsstätte auf dem Gelände des Museums für Naturkunde Berlin. Sie entsteht als ein Resonanzraum von 17 Seltenen Erden. Mit Fotografien, Skizzen und Modellen, Licht und Sound entstehen 17 Bruchstücke: sichtbare, unsichtbare, auditive, taktile, performative und partizipative Annäherungen. Gemeinsam mit der Percussionistin Sabrina Ma erwacht der Raum regelmäßig zum Leben: Materie wird vertont, das Nichtsichtbare wird hörbar, Namen werden zu Musik, Klang wird zerbrechlich.
Seltene Erden sind eine Gruppe von 17 Spezialmetallen. Sie sind existenziell für die globale Energiewende. Ihre Produktion ist allerdings hoch umwelt- und gesundheitsschädlich. Die EU baut selbst keine Seltenen Erden ab, sondern bezieht sie zu 90% vom chinesischen Markt. Die Seltenheit ihres Abbaus ist zugleich Spielball von Kräfteverhältnissen.
Die Intervention erkundet Zonen des Übergangs, an den Grenzen der Wahrnehmung, im Rauschen zwischen Wissen und Nichtwissen, in der Bewegung zwischen Oberfläche und Tiefe. Die Besucher:innen dieser temporären Grabungsstätte sind dabei keine Konsument:innen fertiger Bedeutungen, sondern ihre Mitgestalter:innen. Sie bewegen sich durch ein Gelände aus Spuren, Fragmenten, Frequenzen, und werden darin selbst zu Akteur:innen. Die Grabungsstätte ist auch ein Kommunikationsraum: Gäste sind eingeladen, mit uns und dem Raum in einen Dialog zu treten.
Zusätzlich zur Werkstatt finden drei Gesprächsrunden statt mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten, mit Geolog:innen, Journalist:innen, Museumsangestellten, Politiker:innen, Vertreter:innen aus der Wirtschaft und Künstler:innen.
In einer Welt, in der das Unsichtbare zum Politikum wird, ist ein Verhältnis zur Erde oftmals ein Verhältnis der Leerstellen. Die Intervention öffnet diese Leerstellen, nicht um sie zu füllen, sondern um sie auszuhalten. Als Resonanzräume für das, was sich entzieht. Denn vielleicht beginnt Erkenntnis genau dort, wo das Sehen an seine Grenzen kommmt.
